Es war einmal in Prag…

Prag, 29.März – 2.April 2002 (Didi) Für den eingesessenen Lawnmower hat Ostern nix mit Hasen, Eiern und dem ganzen Gerümpel zu tun, sondern wird geistig mit leiwandem Baseball, geilen Abenden, Pivo und erschöpften Körperteilen verbunden.
Dieser Tradition musste natürlich auch in diesem Jahr nachgegangen werden, wenn auch in leicht abgewandelter Form. Nach den katastrophalen Erlebnissen anno 2001 wurde nach alternativen Destinationen gesucht und Franta fand sie in der Tscheckenhauptstadt Prag. Angelockt vom Flair der Metropole erklärten sich doch glatt 22 Lawnmowers bereit, ihre Körper dem Verein für Baseballexperimente zur Verfügung zu stellen, was Franta vor das Problem stellte für so viele Leute eine Unterkunft zur Eierzeit auftreiben zu müssen. Wie er es dann schaffte 22 Lawnmowers und eine Steffi, wahrscheinlich alles heterosexuelle Leute, bequem in 14 Betten zu verstauen bleibt wohl für immer unser Geheimnis, Tatsache ist, wir fanden in einer Pension mit dem klingendem Namen „M“ Unterschlupf. Doch alles der Reihe nach…

Anreise

Was wäre das Trainingslager ohne spannende Anfahrt? Nix, und so gab es wieder bereits kurz ausserhalb von Wien die ersten Probleme. Sabine versuchte mit leerem Tank auf die Reise zu gehen, Heinz vergas bei einem überstürztem Abfahrmanöver den Dominik und wollte ab der Grenze eine österreichische Vignette für die Tschechen-Highways aufkleben. Aber noch viel schlimmer: Franta schaffte die 300 km nach Prag doch nicht in 1,5 Stunden, weil „bese Hadmar“ im Konvoi immer so sehr bremste, dass er sogar von Skodas aus Polen überholt wurde! Dies verletzte unseren Trainer schwerst in seiner Ehre. Aber immerhin verloren wir dieses Jahr den Hadmar nicht. Das sollte erst zwei Tage später in Prag passieren, aber dort gibts ja faderweise Stadtpläne zu kaufen. Gottseidank passierten wir auch beide neuralgischen Punkte (Ort „EinmalVerfahrenUndTschüssFürEineWoche“ und Ort der „WahnsinnigSchnellenStrassenBahnen“) ohne Probleme und unsere Ängste erwiesen sich als unbegründet.
Wie auch immer, irgendwann am späteren Abend kam auch der letzte Lawnmower in der Pension „M“ an.
Die Zimmer dort sind übrigens mehr als sehenswert, sind sie doch eingerichtet wie das Puppenhaus von Pippi Langstrumpf oder das Puff von Mistress „M“. Eine wahre Augenfreude, wenn Pink mit Orange oder Hell- mit Dunkelblau plüschig kombiniert wird. Nach einem üppigen Abendessen, welches zur allgemeinen Überraschung aus Knedel mit Guljas bestand sowie mehreren Begrüssungsbierchen, warf man sich ins Puppenbettchen und freute sich auf den nächsten Tag.

Freitag – Tag 1

Endlich, nach 4 Stunden Schlaf leutete der Wecker. Der obligatorische Morgenlauf fand auf der örtlichen Müllhalde statt und bereitete uns an diesem ersten Tag kaum Schwierigkeiten. Nach der befohlenen Hygiene, die wir im Bett dösend erledigten, und dem üppigen Frühstück waren wir schon gespannt auf unser Trainingsstadion. Joggerfreundliche 500m von „M“ entfernt lag es gleich neben den berühmten antiken Fussballstätten von Sparta Prag. In all den Tagen an denen wir auf dem Areal trainierten, sahen wir nie ein Fussballtraining dort stattfinden, was aber an unseren trägen Augen lag, die die pfitschi-pfeil-schnellen, grazilen Bewegungen des Prager Wunderteams nicht erfassen konnten.
Dann sahen wir es. Unser Baseballfeld. Wir waren froh darüber, dass sogar das ruppige Outfield der Freudenau hier zu Trainingszwecken kopiert worden war! Einige Unebenheiten waren mit Quarzsand ausgebessert, der einen nett auf den Fingerkuppen herumscheuerte. Wir machten ein ausgiebiges Training, welches sich nach dem Mittagessen fortsetzte. Das eigentliche Highlight des Tages fand zweifelsohne mit Einsetzen der Dämmerung statt.
Franta hatte uns zu einem Juniorenturnier bei Sokol Krc angemeldet. Dieser Base-/Softballverein besitzt eine riesige, aus mehreren Base- und Softballfeldern bestehende Anlage, samt Flutlicht, Tribünen, Restaurant und Spieler- sowie Umpirekabinen (!). Ein echtes „Feld unserer feuchten Träume“. Erschlagen von all diesem – für europäische Verhältnisse – glitzerndem Baseball-PompTrara fühlte sich der kleine Lawnmower noch viel kleiner als zuvor und war anfangs etwas eingeschüchtert. Er traute sich kaum aus dem DugOut heraus und als das Spiel gegen Sokol Krc „A“ begann war ihm schon etwas mau. Was in ihm weiters Unruhe hervorrief war die Pitchingmachine, die die Bälle mit enormen Speed in Richtung zitternder Catcherhand ausspie. Aber als er sah, dass die Gegner auch nur mit Pivo kochten und die Zuschauerränge sich gelichtet hatten, fühlte sich Klein Lawnmower zusehends wohler und brachte doch ein paar Schläge und Spielzüge zustande.
Flutlichtspiele unterscheiden sich doch sehr von Spielen am Tag, man frage nur unsere Outfielder. Unsere Catcher waren aber auch nicht unterfordert, galt es doch die Geschosse aka Basebälle sicher im Handschuh zu verstauen, ohne dass der Daumen gegen den Backstop knallt. Dominik und Olli schafften das nach kurzer Eingewöhnungszeit sehr gut, wenn auch nicht so elegant wie ihre tschechischen Artgenossen.
Alles in allem war es eine interessante Erfahrung für das gesamte Team (auch für die zuschauenden Lawnmower samt Wuchtlschleuder Michel F.) mal in einem Stadion bei Flutlicht zu spielen.

Samstag – Tag 2

Niemals darf ein guter Trainingslagertag ohne Morgenlauf beginnen! Deshalb ging es auch an Tag 2 auf die allwissende Müllhalde. Oberfraggl Franta lies uns Müllbergrauf und Müllbergrunter gallopieren.
War am Tag 1 unser B-Team gegen Krc gefordert, durfte nach dem Vormittagstraining und dem Mittagessen jetzt auch unser A-Team gegen die Prager sein Gesicht verlieren. Diesmal stand die Mannschaft unter dem Kommando von Franta-Zögling Dan. Erneut gesellte sich zu den beiden Kontrahenten eine fauchende Pitchingmachine, doch lieferte Temelin nicht mehr so viel Energie wie Tags zuvor, denn die Pitches waren eindeutig schwächer als zuletzt. Dies tat der Begegnung sehr gut und es entwickelte sich ein durchaus ansprechendes Spiel, ohne viele Errors, einigen Hits und spektakulären Outs. Strike-Outs waren aber dennoch sehr zahlreich, was wohl auf das ungewohnte Aussehen des Pitchers zurückzuführen war.
Leider wurde auch dieses Match verloren und man durfte sich gleich anschliessend gegen die Jugendmannschaft von Krc versuchen. Endlich war leistungsmässig der Ausgleich geschafft! Nachdem uns die 18-jährigen am Vortag paniert hatten, die 16-jährigen soeben platt gemacht hatten, kamen wir in die Spielklasse die unserer ebenbürtig waren: die 12 bis 14-jährigen. Das Match verlief lange Zeit sehr ausgeglichen, bis im vorletztem Inning wir Lawnmowers einen Run nach dem anderen erziehlen konnten und schliesslich mit erhobenem Haupt als Sieger vom Platz gehen durften. Geil!
Am Abend zog es uns ins Zentrum von Prag um einmal das örtliche Nightlife zu erleben. Hiezu bestiegen wir eine Strassenbahn Richtung unbekannt, stiegen in irgendeinen Bus ein, zitterten vor irgendwelchen Fahrscheinkontrolloren und kamen dann zu irgendeiner UBahn die uns irgendwohin brachte. Gottseidank war „irgendwo“ zufällig der Stadtkern von Prag und wir mischten uns unter die tausenden Touristen die zur Osterzeit alle ganz geil auf Prag zu sein schienen. Wir hatten aber keine Ahnung wo wir hin sollten und wollten und hatschten quer durch die Altstadt auf der Suche nach einem Lokal wo wir zu zwanzigst reinpassten. Irgendwo fanden wir das dann auch und tranken Bier. Dann latschten wir weiter, und nachdem es dann allen aus irgendwelchen Gründen irgendwie anzipfte, fuhren wir heim. Schön wars!

Sonntag – Tag 3

Nachdem wir unser übliches, morgentliches, liebliches Muntermachprogramm absolviert hatten, gabs wieder mal Würstel zum Frühstück sowie lustige Ostereier. Nach diesem Cholesterin-Schub war es Zeit wiedermal einem Prager Team zu zeigen was die Österreicher unter „Baseball“ verstehen und Team „A“ fuhr zum Platz nach Krc. Leider hatte sich unsere Spielstärke offenbar herumgesprochen und unser Gegner zog es vor nicht zu kommen um der vermeintlichen katastrofalen Niederlage zu entgehen. So wurde uns die Pitchingmaschine zur Verfügung gestellt und wir spielten gegen uns selbst, wie wir es ja in der Meisterschaft auch immer wieder mal tun.
Mittagessen gabs diesmal im Krc’erschen Klubhaus.
Team „B“ trainierte unterdessen eifrigst am M’schen Trainingsplatz.

Am Nachmittag war frei und jeder konnte das tun, was er schon seit längerem tun wollte. So lag ein Teil fad vor dem Fernseher während ein anderer Teil Gummibärli und Schlaghandschuhe einkaufen fuhr. Am Abend zerstreute sich alles in die 6 Prager Winde und ging schlafen, trinken, faulenzen, schmusen, streiten, intrigieren. Was man halt in Prag so tut.

Montag – Tag 4

Der Tag begann wie Tag 3, nur gabs diesmal keine Würstl sondern nur die gewohnten zachen Weckerl die jeder Messerattacke trotzten.
Am Vormittag wurde wieder trainiert, was leider mittlerweile wenig sehenswert war, aber immerhin verletzte sich keiner schwer. Nach dem Mittagessen hatte Franta eine Überraschung für uns: Ein Team für das er anno 1492 mal gespielt hatte und „Canaries“ auf ihrer Dress stehen hatten – aber nicht so hiessen, nahm die Herausforderung an und versuchte ein Softballmatch gegen die im Softball fast ungeschlagenen Lawnmowers. Uns wurde gottseidank ein fescher Pitcher zur Verfügung gestellt. Unser catchender Olli erinnert sich sicher heute noch mit Schmerzen an den sauschnellen Fastball und den mächtigen Raiser, die bei ihm ein paar Striche in der Unterhose verursachten. Nach dem gegenseitigen Beschnuppern konnte es los gehen. Schnell erreichten wir unter Jubel ein paar Strikeouts, dann aber kam die gegnerische Mannschaft zum Schlag. Naja, was soll ich noch sagen? Wir verloren. Aber mit Anstand.
Die vergangenen 4 Tage hatten unseren Aggressionsspiegel ziemlich ansteigen lassen und wir brauchten und suchten ein Ventil damit wir uns nicht gegenseitig verspeisten.
Gesucht – Gefunden! Mit blutunterlaufenen Augen stürzten wir in unsere Autos und düsten ins Stadtzentrum zum „Laser Game“. Nun konnte sich zeigen wer den grössten Bertl hat und wir schnallten unsere Lasergun um und betraten die Arena. Deathmatch war angesagt, jeder gegen jeden, ein Teil rushte quer durch die Arena und schoss auf alles was sich bewegte, ein anderer Teil campte hinter Benzinfässern und kämpfte im Kampfkoller ums nackte Leben. Jeder starb unzählige male, Olli starb am wenigsten oft und wurde so zum Helden des Clans (was für „Fetz The Fleck Weg“ stand).
Den Abend liesen wir zahm wie die Lamperl sanft und beschwingt in einem Jazz-Cafe ausklingen.

Dienstag – Tag 5

Nun gings ans Eingemachte. Letzter Tag, finale Reserven, keine Kraft, Schmerzen, Leid. Die Zeit also in der Legenden geboren werden.

Naja, nicht bei uns, wir sind aus anderem, weicheren Holz geschnitzt. Am Vormittag gabs noch ein unrühmliches Training ohne Highlights und nach dem Mittagessen wars Zeit von Mistress „M“ und ihrem Puppenhaus Abschied zu nehmen.

Resumee

Alles in Allem war es nach dem letztjährigen Reinfall wieder ein erfolgreiches Trainingslager. Diesmal war das Wetter mehr als gnädig zu uns, das Quartier eine Offenbarung und die Moral der Truppe stimmte auch. Prag war eine nette Abwechslung gegenüber Mlade Buky, auch wenn im tschechischen Hochland das Team aufgrund der abgelegenen Lage weniger stark auseinandergerissen war als wie es dieses Jahr der Fall war.
Ein herzliches „Danke“ will ich allen sagen, die dieses Trainingslager erst möglich gemacht haben. Allen voran natürlich Franta, der all sein organisatorisches Talent aufbringen musste um zu Ostern in Prag eine Unterkunft aufzutreiben, der uns Lawnmowern ein bissi die laschen Wadln viere richtete und der uns letztlich anspruchsvolle Gegner servierte.

Das Trainingslager 2003 werden wir vorraussichtlich wieder in Prag abhalten. Von Sokol Krc haben wir eine Einladung erhalten gemeinsam mit ihnen in ihrem Baseballstadion zu trainieren. Wow!